Abschied von Simeon

Liebe Mitglieder der Emmaus-Gemeinde!
Der 17. November 2021 ist für Sie als Gemeinde kein leichter Tag. Ihre Simeon-Kapelle wird von ihrer Bedeutung als gottesdienstlicher und geistlicher Ort entbunden. Der Buß- und Bettag ist dafür wohl durchaus ein passender Tag im Kirchenjahr – ein Gedenktag, an dem uns der Zusammenhang unseres Handelns mit der Notwendigkeit, aber auch der Möglichkeit der Umkehr zur Gott eindrücklich ins Bewusstsein gerückt wird.
Einen solchen Ort wie diese Simeon-Kapelle aufzugeben, ist kein leichter Schritt.

In dieser Kapelle wurde über viele Jahre gefeiert und gebetet, gesungen und gepredigt, getauft und Hochzeit gefeiert. Nein, solche Orte sind gerade in unseren Zeiten, was ihre Bedeutung und Funktion angeht, nicht einfach überflüssig! Wenn wir als Kirche einen solchen Ort aufgeben, muss es andere, aber dennoch berücksichtigungswerte und unumgängliche Gründe gegeben haben. Sie mögen nicht allen einleuchten, aber sie wurden vielfältig beraten und bedacht. Am Ende haben die Verantwortlichen eine Entscheidung getroffen, die schmerzlich, aber für eine Mehrheit dennoch wohl unumgänglich gewesen ist.
Daher gehen Sie diesen Schritt im Bewusstsein der Schwierigkeit dieser Entscheidung, aber dennoch nicht ohne Zuversicht und Gottvertrauen. Gott gibt seine Menschenfreundlichkeit, Nähe und Behausung auch hier in der Karlsruher Waldstadt nicht auf. Ich möchte Sie dieser bleibenden Verbundenheit Gottes mit den Menschen, aber gerade mit den Menschen, aber gerade auch der Verbundenheit ihrer Kirche mit den Gläubigen hier in der Gemeinde vor Ort versichern. Die Aufgabe eines Gottesdienstortes ist immer eine Zu-Mutung, aber Sie haben dabei schmerzlichen Mut bewiesen, auch die Zukunft Ihrer Kirche im Blick gehabt - und dabei Ihren Gottesglauben nicht drangegeben! Dafür zolle ich Ihnen meinen großen Respekt, bin Ihnen aber auch von Herzen dankbar, dass dieser Weg Sie als Gemeinde nicht auseinanderbringt. Gott lässt uns gerade auf schwierigen Wegstrecken nicht allein.
Ich wünsche Ihnen, dass Sie Ihren Weg als Gemeinde unter Gottes Geleit und Segen zuversichtlich weitergehen können - dankbar, für das, was Sie an dieser Simeon-Kapelle hatten und in Erwartung dessen, was Gott auch weiterhin mit Ihnen vorhat.
Ihr Prälat
Dr. Traugott Schächtele